Reisebericht  Chile 

15. Jänner bis 7. Februar 2011

 Ein Bericht von Wolfgang Raab

Home Zurück Vor

Links

Donnerstag, 27. Jänner 2011

Nationalpark Alerce Andino

Wir fahren auf der Ruta 7 (Carretera Austral) nach Lenca und besuchen von dort aus den Parque National Alerce Andino. Es handelt sich um denselben Nationalpark, in dem wir auch am Mittwoch, dem 19. Jänner, schon einmal waren. Allerdings liegt der Eingang, durch den wir den Urwald heute betreten, ca.12 km südlich von unserem damaligen Ausgangspunkt. Auf der aus Naturschutzgründen unasphaltierten Zufahrt zum Park sehen wir, wie hier Imkerei betrieben wird. Chilenischer Honig ist ebenso wie Wein ein landesspezifischer Exportartikel, der auch über Fair Trade vermarktet wird.
http://www.honigfee.de/php/produkte/honig/Transfair%20Honig%20Chile_3792_500.php
http://www.chile-weinversand.de/ 
Bienenstöcke beim Alerce-Andino-Nationalpark Honigproduktion in Chile
Chilenischer Ulmohonig  mehr...

Der Regenwald macht seinem Namen Ehre und es dauert nicht lange, bis wir trotz Regenschutz ziemlich durchnässt sind. Der Weg durch den Wald ist gepflegt und befestigt. Ein Abweichen, soweit überhaupt möglich, ist nicht ratsam, da der Boden „GRUNDLOS" ist und eine Orientierung im Dickicht unmöglich ist.
Unsere Wanderung führt uns zu einer fast 3000 Jahre alten Alerce.(Fitzroya cupressoides) Dieser südamerikanische Baum hat seinen Namen nach dem englischen Admiral Fitzroy, der mit Charles Darwin von 1831 bis 1836 seine Weltreise unternahm. Die Alerce ist heute nur noch im südlichen Chile und in Argentinien beheimatet. Übernutzung hat das natürliche Verbreitungsgebiet massiv verkleinert. Nur in Nationalparks und wenigen, unerschlossenen Gebieten der Anden sind noch unberührte Naturbestände zu finden. Schutzmaßnahmen waren nicht ausreichend, da die meisten Naturstandorte in privatem Besitz sind. Bei 45 bis 50 Metern Höhe werden Stammdurchmesser von 3 bis 5 Metern erreicht. Das älteste Exemplar wurde mit 3.600 Jahren datiert. Kennzeichnend sind ihr gerader Wuchs, eine schmale Krone mit hängenden Ästen und eine bis zu 4/5 astfreie Stammlänge. Das leichte und dauerhafte Holz wurde seit dem 16. Jahrhundert genutzt. Noch heute existieren Holzhäuser der ersten Siedler aus Alerceholz, das dem Holz des kalifornischen Riesenmammutbaumes sehr ähnlich ist. Das Klima in den natürlichen Verbreitungsgebieten wird durch hohe Jahresniederschläge von 2000 bis 6000mm geprägt. Die Fitzroya cupressoides wächst zwischen 500 und 1200m Seehöhe.

Karte Jahresniederschlag in Südamerika Wasserfall im Alerce Andino Nationalpark
Unser Gruppe beim Wasserfall im Alerce Andino Nationalpark
Jahresniederschlag Südamerika Im Nationalpark bei Regen
 
Patagonische Zypresse oder Alerce (Fitzroya cupressoides) Alerce (Fitzroya cupressoides) Verbreitungsgebiet der Alerce (Fitzroya cupressoides)
Patagonische Zypresse oder Alerce (Fitzroya cupressoides) und ihr Verbreitungsgebiet

Informationen zu Bäumen: http://www.hubertus-nimsch.de/pages/wi_ver_fitzroya.htm
http://www.conifers.org/cu/Fitzroya.php 

Den Rückweg treten wir nass an und weil es viel „nässer" ohnehin nicht geht, wählen wir als Variante einen seit Jahren aufgelassenen Weg, der sich bereits teilweise zum Urwald rückentwickelt hat. Arvid kennt den Pfad und so laufen wir nicht Gefahr, irgendwo im Moos oder Geäst zu versinken. Wir bewegen uns hier durch einen gemäßigten Regenwald.

Nalca, Gunnera tinctoria

Riesige Farne im Regenwald des Alerce Andino Nationalparks
Nalca, Riesenrhabarber (Gunnera tinctoria) Riesenfarne: Palmita (Lophosoria quadripinnata)
und Costilla de Vaca (Blechnum chilense)

Die Jahresniederschlagsmengen betragen 2000 bis zu über 6000mm an den Westhängen. Feuchte pazifische Luft bewirkt Steigungsregen an den Hängen der Anden. Der maritime Einfluss verursacht milde Winter und kühle Sommer. Auf unserer Wanderung begleitet uns stets das laute Geschrei des Chucao Tapaculo (Scelorchilus rubecula). Wir finden uns mit Arvids Anweisung „Schaut lieber auf den Boden, ihr seht ihn sowieso nicht. Den hab ich selber kaum je gesehen." ab. Freundlicherweise lässt sich dennoch plötzlich neben dem Weg einer der Schreihälse nieder und lässt sich knpisen. Ein richtiges Foto habe ich dem Internet entnommen. Wer mehr über die chilenische Vogelwelt erfahren möchte, dem empfehle ich den nicht ganz übersichtlichen aber ausführlichen Link: http://www.birdlist.org/vogel/chile.htm

Beeren im Parque Nacional Alerce Andino
  Chucao Tapaculo 

Der Bewuchs des Regenwaldes besteht vorwiegend aus Chilezeder, Patagonischer Zypresse und verschiedenen Scheinbuchen. Alle Arten kommen nur auf der Südhalbkugel vor. Die Verbreitung der verschiedenen Scheinbuchenarten ist besonders interessant, weil sie sich schon entwickelt hatten, als der Urkontinent Gondwana noch existierte. Nach dem Auseinanderdriften der Landmassen liegen nun die Areale der Arten weit auseinander.

Karte Gondwanaland Karte Verbreitung der verschiedenen Scheinbuchenarten
Gondwanaland Verbreitung der verschiedenen Scheinbuchenarten

   Eine schöne Animation hierzu http://homepages.see.leeds.ac.uk/~eargah/Gond.html 

Der chilenische Regenwald ist der zweitgrößte temperierte Regenwald (d.h. außerhalb der Tropen liegende Regenwald) der Erde. Die Holzindustrie zerstörte große Teile und die Zerstörung hält teilweise noch an. Die kahl geschlagenen Flächen werden mit schnell wachsenden, fremdländischen Baumarten aufgeforstet, was eine zusätzliche Belastung für das ökologische Gleichgewicht darstellt. Besonders problematisch ist die intensive Bodenausbeutung durch Eukalyptus. Diese extrem rasch wachsende Baumart wird in Plantagen angelegt, die in 10 Jahren erntereif sind. Dann wird erneut gepflanzt. Nach drei Ernten ist der Boden weitgehend ausgebeutet! Eukalyptus benötigt sehr viel mehr Wasser als die meisten heimischen Arten und senkt durch die Entnahme den Grundwasserspiegel. Dünger, Pestizide und Herbizide vergiften zusätzlich Wasser und Boden im Umfeld der Plantagen. 70% des Holzes stammen aus Plantagen, der Rest aus Naturwäldern. Neben Bergbau, Landwirtschaft und Fischerei zählt die Holzwirtschaft zu den wichtigsten Wirtschaftssektoren Chiles 

Blutegel im Regenwald in Chile Moose im Regenwald im Süden Chiles

Blutegel

Moose

Im „Mikrokosmos" gibt es Interessantes und Lästiges 

 Die Siedlungen am Stadtrand von Puerto Montt, hier mit der landestypischen Wasserversorgung, wie man sie auch bei Häusern auf dem Land findet, entlocken uns immer wieder ein gewisses Staunen. 

Siedlung am Stadtrand von Puerto Montt landestypische Wasserversorgung in Chile
Siedlung am Stadtrand von Puerto Montt landestypische Wasserversorgung

Am Abend „kochen" wir heute selber und wärmen im Mikrowellenherd zwei hartgekochte GESCHÄLTE Eier für Arvid, der sich weigert, sie vorher zu vierteln. Minuten NACH der Entnahme bersten sie zu unser aller Erstaunen mit dumpfem Knall. Hätten wir bei Hofer eine Mikrowelle um € 40.- gekauft und die Gebrauchsanweisung gelesen, wären wir nicht so erstaunt gewesen.

In der Selbstverpflergerkueche in der Hosteria Outsider
Ein Experiment zum Nachmachen


 

Ihr preiswertes gemütliches Urlaubsdomizil, Hosteria Outsider, Arvid Puschnig, San Bernardo 318, Puerto Varas, Chile, Tel. 0056 (0)65 2231056   Hier geht's zur Startseite von www.chilereisen.at, ein kleiner Online-Reiseführer für Ihre Chilereise

© Text + Fotos: Wolfgang Raab, Bad Ischl, Austria   Web: Arvid Puschnig, Hosteria Outsider, Puerto Varas, Chile